NFP 56 - Umgang mit Medien in Arbeit und Freizeit

Kurzbeschreibung

Gesellschaft und Wirtschaft sind heutzutage gekennzeichnet durch einen ständigen, sich beschleunigenden Wandel, der sämtliche Lebensbereiche wie Bildung, Berufstätigkeit, aber auch das Privatleben einschliesst. Das Stichwort „Wissensgesellschaft“ weist auf den zentralen Stellenwert hin, der dem Wissen dabei zukommt. Mit den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritten, der Globalisierung und dem verschärften Konkurrenzkampf sind die Anforderungen an Kompetenzen generell gestiegen. Kommunikationsmedien (z.B. Printmedien, Internet, Computer, (Mobil-) Telefon, TV, Radio) sind in diesem Zusammenhang von grosser Bedeutung, so dass auch die Anforderungen an die Medienkompetenzen gestiegen sind. Dabei spielen nicht nur bei Printmedien, sondern auch bei anderen modernen Medien wie Computer oder Internet Lesekompetenzen eine zentrale Rolle. Lebenslanges Lernen wird als immer wichtiger betrachtet.

Wie repräsentative empirische Untersuchungen (IALS, ALL) gezeigt haben, verfügt die Schweizer Bevölkerung im Allgemeinen über gute Grundkompetenzen. Es gibt jedoch auch in der Schweiz eine relativ grosse Anzahl von Erwachsenen, die Schwierigkeit haben, mit diesen Anforderungen mitzuhalten. Mit zunehmendem Alter (ab ca. 40 Jahren) steigt die Wahrscheinlichkeit, Probleme in Bezug auf gewisse Kompetenzen zu haben.

Das Forschungsprojekt möchte als erstes die Nutzung verschiedener Medien an der Arbeit und in der Freizeit dokumentieren. Es ist davon auszugehen, dass dabei das private und berufliche Umfeld eine prägende Rolle spielen – z.B. in Form von Anforderungen, die gestellt werden, Aktivitäten, die gemeinsam unternommen werden, Wertvorstellungen, die geteilt werden usw. Nach Möglichkeit sollen Mediennutzungs­profile erstellt und deren Zusammenhang mit den Einstellungen sowie dem Verhalten des Umfelds untersucht werden.

Zweitens soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Nutzung unterschiedlicher Medien über die Zeit auswirkt. Denkbar wären z.B. eine Verfestigung des jeweiligen Mediennutzungsprofils in höherem Lebensalter oder im Gegenteil altersspezifische Mediennutzungs­profile. Da die Nutzung verschiedener Medien unterschiedliche Anforderungen stellt – man denke z.B. an das Lesen einer Zeitung oder den Gebrauch eines Mobiltelefons – bedingt dies auch unterschiedliche Kompetenzen. Ein weiteres Ziel des Projektes besteht darin, zu untersuchen, wie sich diese Kompetenzen über die Zeit entwickeln, ob z.B. kontinuierliches Training (z.B. Computernutzung) einem möglichen Kompetenzabbau in höherem Alter entgegenwirkt, wie sich fehlendes Training auswirkt usw. Es sollen nach Möglichkeit Faktoren herausgearbeitet werden, welche eine Zunahme oder Abnahme von Kompetenzen bewirken, sowie nach Ansatzpunkten gesucht werden, wie die Erhaltung oder Zunahme der Kompetenzen bei verschiedenen Personengruppen gefördert werden könnte.

In einem Interview sollen Personen bestimmter Berufs-, bzw. Bevölkerungsgruppen zu ihrem privaten und beruflichen Mediennutzungsverhalten, zu ihrer Einstellung zu verschiedenen Medien, ihrer Mediennutzungsbiografie und ihrem Umfeld einerseits sowie zu Weiterbildungsaktivitäten und Motivation zu Weiterbildung andererseits befragt werden.

Einige der interessierenden Fragestellungen sind z.B.: Welche unterschiedlichen Mediennutzungs­profile zeigen sich? Welche Lebensformen gehen einher mit guten, resp. geringen Medienkompetenzen? Welche Lebensformen tragen über die Zeit zu einer Zunahme, resp. Abnahme der Medienkompetenzen bei? Wie werden eventuelle Probleme mit diesen Kompetenzen von den Befragten wahrgenommen? Was motiviert die Befragten allenfalls zu einer Weiterbildung?

Da im gegebenen Rahmen eine Längsschnitt-Untersuchung nicht möglich ist, wurde versucht, dem Faktor „Entwicklung über die Zeit“ mit der Bildung von drei Altersgruppen Rechnung zu tragen. Befragt werden folgende drei Altersgruppen: 35-40-Jährige, 45-50-Jährige und 55-60-Jährige.

Die zu befragenden Personen zeichnen sich – neben der Altersgruppe – weiter durch ihren Beruf aus. Ausgehend von den Daten der ALL-Untersuchung wurden einige Berufsgruppen, bzw. Bevölkerungsgruppen ausgewählt, die einerseits über verschiedene Niveaus in ihren Alltagskompetenzen verfügen und deren Berufe andererseits bestimmte, unterschiedliche Charakteristika aufweisen (z.B. Schichtarbeit vs. regelmässige Arbeitszeit, körperlich leichte vs. körperlich schwere Arbeit usw.).

Das Projekt wird im Rahmen des Schweizerischer Nationalfondprojekts, NFP 56 „Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz“ durchgeführt.

 

Dauer: 2005 – 2007

Projektbearbeitung: Philipp Notter (Projektleitung), Claudia Arnold

Finanziert durch: Schweizerischer Nationalfonds, NFP 56 „Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz“