Querschnittstudie «Oberstufe im Kanton Thurgau»

Kurzbeschreibung

Seit 1996 läuft im Kanton Thurgau das «Projekt für die Weiterentwicklung der Oberstufe der Volksschule des Kantons Thurgau» (PROWO) mit dem Ziel, Möglichkeiten für lokale Schulentwicklung zu schaffen und Schulmodelle mit durchlässigen Strukturen im Sinne der Kooperation zwischen Real- und Sekundarschule umzusetzen. Schülerinnen und Schüler werden in Stammklassen unterrichtet und für einzelne Fächer, meist Mathematik, Französisch oder Englisch, in nach Leistungen zusammengesetzten Niveaus unterrichtet.

Um allfällige Auswirkungen der PROWO-Schulen zu überprüfen, wurde die Durchführung einer Querschnittstudie in Auftrag gegeben, die zum einen für die beteiligten PROWO-Schulen zu Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Schulen, zum andern zu Erkenntnissen über die Wirkungen von Strukturmodellen der Oberstufe des Kantons Thurgau führten. Die beteiligten Schulen und Strukturmodelle wurden nach folgenden Bereichen beurteilt:

  • Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Deutsch
  • Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler
  • Methodenkompetenzen der Schülerinnen und Schüler
  • Unterrichtsqualität, beurteilt aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler
  • Zufriedenheit der Schülerinnen und Schüler

Weil Schulleistungen gemessen wurden, war eine Einschränkung der Querschnittstudie auf eine Klassenstufe notwendig. Die Untersuchung wurde deshalb auf die 8. Klasse beschränkt. Aufgrund eines wissenschaftlichen Stichprobeverfahrens wurden neun Oberstufenzentren des Kantons Thurgau ausgewählt und über 800 zufällig ausgewählte Schülerinnen und Schüler in die Untersuchung einbezogen.

Die Ergebnisse deckten sich mit jenen früheren Studien zum gleichen Thema. Zwischen den Strukturmodellen der Oberstufe des Kantons Thurgau bestanden in den überprüften Fachleistungen Deutsch und Mathematik keine signifikanten Unterschiede. Die Schülerinnen und Schüler waren auch in allen Strukturmodellen gleich zufrieden und schätzten die Lernbedingungen etwa gleich ein. Die lokale Ausrichtung der Schulentwicklungsprojekte im Kanton Thurgau hat sich folglich bewährt und zu keinen Nebeneffekten geführt, weder in Bezug auf die Fachleistungen noch in Bezug auf die anderen berücksichtigten Qualitätskriterien. Allfällige Erwartungen im Sinne, dass durch Strukturreformen automatisch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sowie die Lernbedingungen im Unterricht verbessert werden, haben sich nicht bestätigen lassen.

Zwischen den Schulen konnten signifikante Leistungsunterschiede nachgewiesen werden, und zwar auch nach statistischer Kontrolle der wichtigsten Lernvoraussetzungen (Bildungsnähe des Elternhauses und Muttersprache der Schülerinnen und Schüler). Es gab einige Schulen, in denen deutlich bessere oder schlechtere Leistungen erreicht wurden. Die Leistungsunterschiede zwischen den Schulen wurden jedoch im Vergleich zu den Leistungsunterschieden zwischen den Klassen oder zwischen den Schülerinnen und Schülern als relativ gering beurteilt. Schulentwicklungsprojekte mit dem Ziel, die Leistungen zu steigern, setzen deshalb den Fokus mit Vorteil auf den Unterricht und die gezielte individuelle Förderung der Kinder.

 

Dauer: 2001

Projektbearbeitung: Urs Moser, Florian Keller, Verena Tunger

Auftraggeber: Departement für Erziehung und Kultur im Kanton Thurgau

 

Publikationen

Moser, U. & Keller, F. (2001). Querschnittstudie «Oberstufe im Kanton Thurgau». Eine Evaluation der Leistungen und Lernbedingungen auf der Sekundarstufe I. Zürich/Frauenfeld: Kompetenzzentrum für Bildungsevaluation und Leistungsmessung und Departement für Erziehung und Kultur im Kanton Thurgau.