Evaluation der Schulversuche «Grund- und Basisstufe»

Kurzbeschreibung

In verschiedenen Kantonen der EDK-Ost sowie in einigen weiteren Kantonen der Deutschschweiz werden zwischen 2003 und 2009 Schulversuche zur Grund- und Basisstufe durchgeführt. Diese neuen Modelle des Schuleintritts sind eine Antwort auf die markanten Entwicklungsunterschiede der Kinder im Alter des Kindergarten- und Schuleintrittes.

Für die Grund- bzw. Basisstufe ist eine flexible Verweildauer zwischen 2 und 4 Jahren bzw. zwischen 3 und 5 Jahren vorgesehen. Die 4- bis 8-jährigen Kinder spielen und lernen in altersgemischten Gruppen. Für das einzelne Kind wird bewusst ein flexibler, seinem Lerntempo angemessener Übergang vom Spielen zum systematischen Lernen ermöglicht.

Ziele

Das IBE ist für die summative Evaluation des Schulversuchs verantwortlich, das Kompetenzzentrum "Forschung, Entwicklung und Dienstleistungen der Pädadagogischen Hochschulen St. Gallen und Rorschach" übernimmt die formative Evaluation.

Mit der summativen Evaluation wird der Lern- und Entwicklungsstand der beteiligten Kinder – im Schulversuch sowie in einer Kontrollgruppe – vom Eintritt in die Grund-/Basisstufe bzw. in den Kindergarten bis zum Ende der 3. Klasse verfolgt. Dies ermöglicht, die Auswirkungen der verschiedenen Schulmodelle auf den Lern- und Entwicklungsstand zu vergleichen.

Im Zentrum der quantitativen Evaluation stehen die Kompetenzbereiche Lesen/Spracherwerb, Mathematik, sozial-emotionale Kompetenzen sowie die kognitive Leistungsfähigkeit.

Messzeitpunkte

Für jedes Kind wird der Lern- und Entwicklungsstand zu vier Testzeitpunkten erhoben: beim Eintritt in die Grund- oder Basisstufe bzw. in den Kindergarten, nach ca. 2 Jahren in der Grund-/Basisstufe bzw. beim Eintritt in die 1. Klasse, am Ende der Grund-/Basisstufe bzw. der 2. Klasse sowie ein Jahr nach Übertritt in das herkömmliche Schulsystem, d.h. am Ende der 3. Klasse.

Fazit

Mit der Grund-/Basisstufe wurden zwei Modelle erprobt, die einen erfolgreichen Übergang von der Eingangsstufe in die Primarschule ermöglichen. Den beiden Modellen gelingt es, sämtliche Kinder zu integrieren, so dass auf Einschulungsklassen verzichtet werden kann. Auch der frühere und bewusste Zugang zu den Kulturtechniken verläuft in der Grund-/Basisstufe erfolgreich.

Nach zwei Jahren verfügen die Schülerinnen und Schüler der Grund-/Basisstufe über statistisch signifikant bessere Kompetenzen in der phonologischen Bewusstheit, im Lesen und Schreiben sowie in der Mathematik als Kindergartenkinder. Der zwischenzeitliche Vorsprung ist am Ende der 3. Klasse der Primarschule allerdings nicht mehr vorhanden. Für das sozial-emotionale Befinden (Einschätzung der sozialen Beziehungen, Wohlbefinden und Selbstkonzept) haben die verschiedenen Modelle der Eingangsstufe keine Bedeutung.

Die Evaluation zeigte zudem, dass die erfolgreiche Förderung der Vorläuferfertigkeiten (phonologische Bewusstheit und mathematisch-numerische Vorläuferfertigkeiten) für den Lernerfolg in der Primarschule besonders wichtig ist.

Publikationen

Moser, U. & Bayer, N. (2010). 4 bis 8. Schlussbericht der summativen Evaluation. Lernfortschrittte vom Eintritt in die Eingangsstufe bis zum Ende der 3. Klasse der Primarschule. Bern: Schulverlag plus.

Moser, U., Bayer, N. & Berweger, S. (2008). Summative Evaluation Grundstufe und Basisstufe. Zwischenbericht zuhanden der EDK-OST. Zürich: IBE.

Zwischenbericht 2008 (PDF, 429 KB)

Moser, U. Berweger, S. & Bayer, N. (2007). Evaluation des Schulversuchs Grund-/Basisstufe. Information zur zweiten Ergebnisrückmeldung zuhanden der beteiligten Lehrpersonen.

Info_Ergebnisrückmeldung (PDF, 529 KB)

Moser, U., Berweger, S. & Lüchinger-Hutter, L. (2004). LEst 4-7: Lern- und Entwicklulngsstand bei 4- bis 7-Jährigen. Unveröffentlichter Test.